KI-Agent findet vier EPICS-Lücken in unter vier Stunden
28. Oktober 2026
KI-generiert, redaktionell von 8thsense ausgewählt, geprüft und freigegeben. EU AI Act, Art. 50
Ein autonomer KI-Agent namens Cipher hat in der quelloffenen Steuerungssoftware EPICS vier bislang unbekannte Sicherheitslücken gefunden. Eine davon stuft die US-Cybersicherheitsbehörde CISA als kritisch ein (CVSS 9.8), ein Angreifer könnte damit im schlimmsten Fall Code aus der Ferne ausführen. Nach Angaben des Entwicklers dauerte die Suche samt Prüfung der Angriffswege drei Stunden und 49 Minuten. Für Geschäftsführer ist die Software selbst meist zweitrangig. Entscheidend ist der Trend: Auch alte, kaum beachtete Programme im eigenen Betrieb lassen sich mit KI deutlich schneller auf Schwachstellen abklopfen.
Was genau gefunden wurde
EPICS (Experimental Physics and Industrial Control System) ist ein Werkzeugkasten zum Bau verteilter Steuerungs- und SCADA-Systeme. Ursprünglich entwickelt von den US-Forschungslaboren Los Alamos und Argonne, steckt er laut The Register in rund 90 großen Forschungs-, Hochschul- und Industrieprojekten, darunter die Steuerung des Fusionsreaktors ITER (Quelle: theregister.com). Die CISA hat am 27. Oktober die Sicherheitswarnung ICSA-26-300-01 veröffentlicht. Betroffen sind alle Versionen von EPICS Base bis einschließlich 7.0.10. Als Entdecker nennt die Behörde ausdrücklich Shubham Raj von Cipher / Causal Security (Quelle: cisa.gov).
CVE-2026-114595 (CVSS 9.8, kritisch): Integer-Überlauf bei der Verarbeitung von Netzwerkanfragen, mögliche Speicherbeschädigung bis hin zur Codeausführung.
CVE-2026-114596 (CVSS 8.2): fehlerhafte Prüfung von Nachrichtenlängen, Schreibzugriff außerhalb des Speicherbereichs, Absturz möglich.
CVE-2026-114597 (CVSS 7.5): unzureichende Längenprüfung, Lesen über Puffergrenzen hinaus.
CVE-2026-114598 (CVSS 7.5): Typverwechslung (Type Confusion), Denial of Service und mögliche Preisgabe benachbarter Speicherinhalte.
Die Einträge in der US-Schwachstellendatenbank NVD und im CVE-Register bestätigen Versionen und Bewertungen (Quelle: nvd.nist.gov, cve.org).
Wie viel davon ist wirklich KI?
Hier lohnt ein nüchterner Blick. Die Angabe von unter vier Stunden stammt vom Hersteller selbst, eine unabhängige Überprüfung gibt es bislang nicht. Mitgründer Raj beschreibt Cipher gegenüber The Register als vollständig autonomen Angreifer, räumt aber ein, dass ein Mensch einmal eingreifen musste: Er gab die Freigabe, die Ausnutzbarkeit der Lücken in einer abgesicherten Umgebung tiefer zu testen. Die Erstuntersuchung sei ohne menschliches Zutun gelaufen. Unbestritten ist dagegen das Ergebnis: Vier Lücken in einer jahrzehntealten, sicherheitskritischen Software, offiziell anerkannt von CISA. Laut The Register führten frühere Funde desselben Agenten in Stromnetz-Systemen in Nordamerika und Europa bereits am 8. Oktober zu einer weiteren CISA-Warnung. Werbeaussagen eines Start-ups sind das eine, wiederholte behördliche Bestätigungen das andere.
Das Patch-Fenster wird kürzer
Die eigentliche Botschaft steckt in einem Satz von Raj: Für die Ausnutzung brauche man kein tiefes Spezialwissen über Industriesteuerungen, konventionelle Angriffsfähigkeiten reichten, und immer leistungsfähigere KI-Systeme könnten bei der Entwicklung von Exploits helfen (Quelle: theregister.com). Bisher galt Nischensoftware als halbwegs geschützt, weil sich kaum jemand die Mühe machte, sie zu untersuchen. Dieses Argument verliert an Gewicht. Was Verteidiger mit KI in Stunden finden, können Angreifer prinzipiell genauso schnell finden. Positiv: Die EPICS-Gemeinschaft hat reagiert, Version 7.0.11 mit den Korrekturen erschien am selben Tag wie die Warnung (Quelle: github.com).
Was CISA empfiehlt
Die Empfehlungen der Behörde sind unspektakulär, aber genau deshalb übertragbar. Steuerungssysteme sollen nicht aus dem Internet erreichbar sein, hinter Firewalls liegen und vom Büronetz getrennt werden. Fernzugriff nur über VPN, wobei auch das VPN selbst aktuell gehalten werden muss, denn es ist nur so sicher wie die angeschlossenen Geräte (Quelle: cisa.gov). Auch The Register betont: Angreifbar sind die EPICS-Dienste vor allem dann, wenn Netze falsch konfiguriert oder unzureichend segmentiert sind.
Was das für Unternehmen bedeutet
EPICS selbst läuft in kaum einem mittelständischen Betrieb. Altsoftware dagegen fast überall: die Gebäudeleittechnik im Pflegeheim, die Zutrittssteuerung im Vereinsheim, die Kassen- und Warenwirtschaft im Laden, die Maschinensteuerung in der Werkstatt, das alte Buchungssystem der Tanzschule. Vieles davon wurde einmal eingerichtet und seitdem nie wieder angefasst. Wer jetzt klein anfangen will, beginnt mit drei Schritten:
Inventur: Eine einfache Liste aller Geräte und Programme mit Version, Hersteller und Zuständigem. Ein Nachmittag mit der Person, die die IT betreut, reicht für den Anfang.
Trennen: Steuerungen, Kameras und Haustechnik gehören in ein eigenes Netz, nicht ins WLAN der Verwaltung. Unterstützen vorhandene Router und Switches getrennte Netze (VLANs), ist das oft ohne neue Hardware machbar.
Überwachen: Sicherheitswarnungen zu den eigenen Produkten automatisch abonnieren, statt auf Zufallsfunde zu hoffen. Mit Workflow-Automation lässt sich etwa ein täglicher Abgleich der Inventurliste mit neuen CVE-Meldungen einrichten, der nur bei Treffern Alarm schlägt.
Die Schwierigkeit liegt selten im einzelnen Werkzeug, sondern in der Verbindung: Inventur, Netzplan, Wartungsverträge und Meldewege liegen häufig in getrennten Köpfen und Dateien. Genau dort entstehen die blinden Flecken, die eine KI auf Angreiferseite in Stunden findet. Wer Patch-Prozesse von Wochen auf Tage verkürzen will, braucht deshalb weniger ein weiteres Sicherheitsprodukt als einen klaren, gelebten Ablauf, der zu den eigenen Systemen passt.