KI-Boom macht Chips und Platinen knapp: IT-Beschaffung jetzt planen
09. Oktober 2026
KI-generiert, redaktionell von 8thsense ausgewählt, geprüft und freigegeben. EU AI Act, Art. 50
Der Ausbau von KI-Rechenzentren entzieht dem Markt Speicherchips, Bauteile und inzwischen auch das Grundmaterial für Leiterplatten. Branchenberichte nennen Lieferzeiten von über einem Jahr für einzelne Bauteile, Marktforscher sehen die Materialkosten für Notebooks deutlich gestiegen. Für Unternehmen bedeutet das: Laptops und weitere IT-Hardware werden teurer und sind schwerer planbar. Wer für 2027 eine Hardware-Erneuerung vorsieht, sollte die Beschaffung jetzt angehen.
Nach den Chips werden die Platinen knapp
Lange stand vor allem der Halbleitermangel im Fokus. Der Leiterplattenhersteller Würth Elektronik warnt nun vor dem nächsten Engpass: Grundmaterialien für Platinen werden weltweit knapp (Quelle: silicon-saxony.de). Der Grund liegt im KI-Boom. Leiterplatten in KI-Servern haben laut Würth drei- bis fünfmal so viele Lagen wie herkömmliche Designs und verbrauchen entsprechend mehr hochwertiges Material. Diese Nachfrage verdrängt Kapazitäten, die bisher Industrie und Automobilbau versorgt haben. Branchenexperten erwarten laut dem Bericht, dass die Nachfrage mindestens bis Ende 2026 sehr hoch bleibt. Bei Glasfasergeweben rechnen sie vor 2028 mit keiner nennenswerten Entspannung. Betroffen sind unter anderem:
kupferkaschierte Laminate und Kupferfolien
Prepregs (vorimprägnierte Glasfaserlagen) und Hochleistungsharze
Wolframkarbid für Bohr- und Fräswerkzeuge in der Platinenfertigung
Lieferzeiten jenseits der Planbarkeit
Wie sich das in Wochen ausdrückt, zeigt eine Auswertung im Magazin des Elektronikanbieters A+B Electronic vom Juni 2026 (der als Bauteil-Lieferant naturgemäß zu frühem Bestellen rät) (Quelle: aundb-electronic.de). Allein das Basismaterial für Leiterplatten braucht demnach 14 bis 16 Wochen, die Fertigung weitere sechs bis acht, insgesamt also bis zu 24 Wochen. Teilweise wird nur noch nach Zuteilung geliefert. Für viele Varianten der verbreiteten STM32-Mikrocontroller nennt der Bericht Lieferzeiten von über 52 Wochen, für einfache Dioden und Transistoren 40 bis 54 Wochen. Einige Speicherhersteller nehmen laut A+B Electronic keine Aufträge mehr vor 2028 an oder stellen Standardprodukte kurzfristig ein. Bemerkenswert für Einkäufer: Distributoren und Hersteller passen Preise teilweise sogar nach der Bestellung noch an.
Speicher treibt die Gerätepreise
Bei fertigen Geräten zeigt sich der Druck vor allem über den Arbeitsspeicher. Der Marktforscher TrendForce hat im September vorgerechnet, wie stark sich ein typisches Notebook verteuert hat (Quelle: trendforce.com). Bei einem Mittelklassemodell für 900 US-Dollar machten Prozessor, Arbeitsspeicher und SSD Anfang 2025 rund 45 Prozent der Materialkosten aus. Im dritten Quartal 2026 sind es 68 Prozent. Um die Marge von damals zu halten, müssten Hersteller den Preis eines vergleichbaren Geräts laut TrendForce um etwa 80 Prozent anheben. Das ist eine Modellrechnung, keine tatsächliche Preiserhöhung: Hersteller verzichten teils auf Marge oder sparen an der Ausstattung. Die Richtung ist trotzdem klar. TrendForce erwartet für 2026 weltweit 9,4 Prozent weniger ausgelieferte Notebooks und weist darauf hin, dass günstiger eingekaufte Lagerbestände zur Neige gehen. Der Puffer gegen weitere Preiserhöhungen im Handel wird damit kleiner.
Wer am stärksten betroffen ist
Große Abnehmer mit langfristigen Verträgen sichern sich Kontingente, kleinere Käufer stehen hinten an. Würth Elektronik formuliert es deutlich: Unternehmen ohne langfristige Lieferantenbeziehungen drohen in Extremfällen vollständige Lieferunterbrechungen. Für einen mittelständischen Betrieb, der Laptops, Firewalls oder einen Server bisher bei Bedarf kurzfristig beim Systemhaus bestellt hat, ändert sich damit die Logik. A+B Electronic empfiehlt, den Bedarf mindestens zwölf Monate im Voraus zu planen. Vier bis sechs Wochen Vorlauf reichen laut dem Bericht häufig nicht mehr aus. Das betrifft nicht nur Elektronikfertiger: Auch Kassensysteme, Telefonanlagen, Steuerungen und Netzwerkkomponenten enthalten genau die Bauteile, die gerade knapp sind.
Was das für Unternehmen bedeutet
Der wichtigste Schritt kostet kein Geld: eine ehrliche Bestandsliste. Welche Laptops, Server, Switches und Firewalls erreichen 2027 ihr Lebensende oder fallen aus dem Herstellersupport? Diese Liste gehört jetzt auf den Tisch der Geschäftsführung, nicht erst im Herbst 2027. Wer daraus Bedarf ableitet, kann ihn bündeln und mit dem Systemhaus über feste Liefertermine, Preisbindung oder einen Rahmenvertrag sprechen. Ein Pflegedienst mit 40 Notebooks im Außendienst, eine Tanzschule mit neuer Kassen- und Zutrittstechnik oder ein Handwerksbetrieb, der seinen Server ersetzen muss: Alle fahren besser, wenn sie früher bestellen und Alternativmodelle schon vorab freigeben, statt auf ein bestimmtes Gerät zu warten.
Ein zweiter Hebel betrifft Künstliche Intelligenz im Mittelstand selbst. Wer überlegt, eigene KI-Hardware anzuschaffen, etwa einen lokalen Server für Sprachmodelle, sollte gerade jetzt nüchtern rechnen. Speicherintensive Systeme sind die Geräte, die am stärksten von den Preissteigerungen betroffen sind. Für viele Aufgaben der KI-Automation, etwa Dokumentenverarbeitung oder Workflow-Automation im Büro, ist ein datenschutzkonform gewählter Cloud-Dienst mit Serverstandort in der EU die flexiblere Lösung, zumindest bis sich der Markt beruhigt. Eigene Hardware lohnt sich vor allem dort, wo sensible Daten das Haus nicht verlassen dürfen. Und schließlich: Bestehende Geräte länger nutzen ist eine legitime Strategie. Mehr Arbeitsspeicher oder eine neue SSD in einem soliden Bestandsgerät kosten zwar ebenfalls mehr als vor einem Jahr, aber deutlich weniger als ein Neukauf.