KI-Hackerwerkzeug Artex: Was gegen automatisierte Angriffe hilft
07. November 2026
KI-generiert, redaktionell von 8thsense ausgewählt, geprüft und freigegeben. EU AI Act, Art. 50
Der Sicherheitsanbieter Censys hat mehr als 800 eigenständige Installationen von Artex gefunden, die offen aus dem Internet erreichbar sind. Artex ist ein Open-Source-Werkzeug, in dem mehrere KI-Agenten Angriffe weitgehend selbstständig planen und ausführen. Microsoft und CrowdStrike haben es bereits in echten Kampagnen beobachtet, unter anderem beim Angriff über eine Backup-Software des Anbieters ConnectWise. Für Geschäftsführer ist die Lage zweischneidig: Die Angriffe werden schneller und billiger, doch viele scheitern weiterhin an solider Basis-Sicherheit. Die gefährlichste Lücke liegt dort, wo man sie selbst kaum sieht: bei den Zugängen der eigenen Dienstleister.
Was Artex ist und wer es nutzt
Artex erschien laut Censys am 26. Juli 2026 auf GitHub, gedacht als automatisiertes Werkzeug für erlaubte Penetrationstests. Das Prinzip: Ein Planer-Agent zerlegt ein Ziel, etwa Admin-Zugriff auf einen Server, in Einzelschritte. Weitere Agenten arbeiten diese ab, starten Werkzeuge wie den Portscanner nmap und schreiben die Ergebnisse zurück, bis das Ziel erreicht ist. Als Sprachmodell lässt sich praktisch jeder Anbieter einbinden. Microsoft beschreibt Artex als System, das Angriffe „von der Aufklärung bis zum Datenabfluss“ mit wenig menschlichem Zutun durchführt (Quelle: microsoft.com). Nachdem das Werkzeug in Angriffen aufgetaucht war, kündigte der Entwickler am 8. Oktober an, das Projekt nicht mehr offen weiterzuführen. Kopien und umbenannte Ableger kursieren laut Censys trotzdem weiter.
800 offene Installationen: was die Zahl bedeutet
Censys zählte Anfang November 1.465 erreichbare Artex-Server. Rund 650 davon liegen in zwei identisch eingerichteten Hosting-Blöcken, sodass etwa 815 unterscheidbare Installationen übrig bleiben (Quelle: censys.com). Die meisten stehen in den USA, Hongkong und China. Nicht jede Installation ist bösartig, betont Censys-Forscher Silas Cutler gegenüber TechCrunch: Viele gehören zu legitimen Testern (Quelle: techcrunch.com). Auffällig ist aber, dass 155 dieser Server zusätzlich weitere Angriffswerkzeuge betreiben, darunter Command-and-Control-Software wie Cobalt Strike. Auf 32 Servern fand Censys offene Verzeichnisse mit Exploit-Sammlungen und Hintertüren. Die Angreifer schützen ihre eigene Infrastruktur also oft schlechter als ihre Opfer.
Woran die Angriffe scheiterten und wo nicht
Microsoft schreibt die Kampagne der China-nahen Gruppe Storm-0940 zu. Ein Teil davon war klassisches Passwort-Raten im großen Stil: Vom 10. bis 14. Oktober prasselten über 151.000 Fehlanmeldungen auf 327 Konten in acht Organisationen ein, in der Spitze 2.900 pro Minute. Erfolgreich war laut Microsoft keine davon, fast alles endete in Kontosperren. Der eigentliche Treffer kam über einen anderen Weg. Die Angreifer nutzten gestohlene Zugangsdaten der Anwendung ConnectWise Cloud Backup, die in Kundenumgebungen mit weitreichenden Rechten vorab freigegeben war. Damit meldeten sich die Agenten ohne interaktiven Login bei Microsoft-365-Umgebungen an, die Multi-Faktor-Authentifizierung griff dort nicht (Quelle: borncity.com). Versucht wurde das bei über 2.250 Mandanten, in einigen Fällen hatten die Angreifer binnen drei Stunden privilegierten Zugriff.
Warum das auch kleine Betriebe betrifft
ConnectWise ist eine typische Software für IT-Dienstleister, die viele Kunden gleichzeitig betreuen. Laut Borncity war Cloud Backup Ende September in 3.790 Mandanten bei 663 Dienstleistern installiert. Genau so sind viele mittelständische Unternehmen organisiert: Ein externes Systemhaus verwaltet Microsoft 365, Backup und Rechner, oft mit Administratorrechten. Die KI-Agenten verändern dabei vor allem das Tempo. Was früher Tage an Handarbeit kostete, läuft jetzt automatisiert über Tausende Ziele. Damit lohnt sich der Angriff auch auf Betriebe, die bisher als zu klein und uninteressant galten.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die gute Nachricht: Gegen die breite Masse automatisierter Angriffe hilft weiterhin Handwerk, nicht neue Technik. Eine Pflegevermittlung mit 20 Beschäftigten oder ein Handwerksbetrieb braucht dafür kein Security-Budget eines Konzerns, sondern einen Nachmittag mit dem eigenen Dienstleister. Sinnvolle erste Schritte:
MFA für alle Konten, ausnahmslos, auch für alte Postfächer, Azubi-Zugänge und Notfall-Admins.
Kontosperren und Anmeldewarnungen aktiv lassen, sie haben im Fall Storm-0940 das Passwort-Raten gestoppt.
Freigegebene Apps prüfen: In Microsoft 365 (Entra ID) die Liste der Unternehmensanwendungen durchgehen. Was niemand mehr kennt, abschalten. Was bleibt, bekommt nur die Rechte, die es wirklich braucht.
Dienstleister in die Pflicht nehmen: schriftlich klären, welche Werkzeuge mit welchen Rechten im eigenen Mandanten laufen, wie dort Zugänge abgesichert sind und wie schnell man bei Vorfällen informiert wird.
Protokolle aufbewahren: Microsoft rät Betroffenen ausdrücklich, Anmelde- und Audit-Logs zu sichern, bevor etwas gelöscht wird.
Wer selbst KI-Agenten für Prozessautomatisierung einführt, sollte dieselbe Lehre ziehen: Jeder Agent, jede Integration bekommt ein eigenes Konto mit eng begrenzten Rechten, statt eines Generalschlüssels. Der Fall Artex zeigt, dass Künstliche Intelligenz im Mittelstand nicht nur ein Werkzeug für die eigene Effizienz ist, sondern auch eines für die Gegenseite. Die Abwehr beginnt bei der Frage, wer heute alles mit Admin-Rechten im eigenen System sitzt.