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ChatGPT baut Folien in PowerPoint: praktisch, aber mit Haken

ChatGPT baut Folien in PowerPoint: praktisch, aber mit Haken

OpenAI hat seit dem 22. Mai 2026 ein Add-in veröffentlicht, das ChatGPT direkt in Microsoft PowerPoint einbettet. Statt im Browser eine Präsentation zu beschreiben und das Ergebnis zu exportieren, arbeitet die KI jetzt in einer Seitenleiste innerhalb der Software. Sie baut Folien aus Notizen, Tabellen oder vorhandenen Decks, schlägt Strukturen vor und beantwortet Fragen zur Zielgruppe. Für Unternehmen, in denen Angebote, Schulungen und Kundenpräsentationen Alltag sind, ist das eine der konkreteren KI-Neuerungen seit Monaten. Sie hat aber einen Haken, der vor dem ersten Einsatz geklärt sein sollte.

Was das Add-in konkret kann

Das Plugin installiert man über den Microsoft Marketplace, danach erscheint ChatGPT als Seitenleiste in PowerPoint. Anmeldung läuft über das bestehende OpenAI-Konto. Aus einem Prompt, hochgeladenen Dokumenten, Tabellen oder Bildern erzeugt die KI ganze Foliensätze, die anschließend ganz normal in PowerPoint editierbar bleiben. Das ist der entscheidende Unterschied zu reinen Export-Werkzeugen: Es entsteht eine echte Datei, kein Bild. Laut the decoder kann man auch bestehende Decks zusammenfassen lassen, nach Lücken in der Argumentation fragen oder komplexe Daten visualisieren (Quelle: the-decoder.de).

Verfügbar bis in den Gratis-Tarif

Anders als viele KI-Funktionen, die hinter teuren Enterprise-Lizenzen stecken, ist das Add-in laut OpenAI weltweit von Free bis Enterprise verfügbar. Der tatsächliche Zugang hängt vom Tarif und von den Admin-Einstellungen ab. Diese Breite ist für kleinere Betriebe relevant: Ein Team kann die Funktion testen, ohne sofort Lizenzkosten zu produzieren. Wichtig sind die Grenzen der Beta: Komplexe Formatierungen und bestimmte Schriftarten werden laut Berichten noch nicht sauber übernommen. Wer markentreue Folien mit festem Corporate Design braucht, wird also nacharbeiten. Für schnelle interne Decks, Workshop-Unterlagen oder einen ersten Angebotsentwurf reicht es schon jetzt.

Der Haken: Wohin die Daten fließen

Das Add-in kann mit Erlaubnis auf Gmail, Outlook und SharePoint zugreifen, um Inhalte direkt einzuziehen. Genau hier liegt das Risiko. Laut Bericht von drweb.de sichert OpenAI zwar zu, dass Geschäftsdaten aus Business-, Enterprise- und Edu-Konten nicht zum Modelltraining verwendet werden. Für Free- und Plus-Konten gilt diese Zusage ausdrücklich nicht (Quelle: drweb.de). Wer also mit einem privaten ChatGPT-Account ein Angebot mit echten Kundennamen, Preisen und Konditionen baut, schickt diese Daten potenziell an einen US-Anbieter, ohne den vertraglichen Schutz, den ein Geschäftskonto bietet. Für Betriebe mit Gesundheits-, Sozial- oder Personaldaten ist das kein Detail, sondern eine DSGVO-Frage.

Kein Alleingang von OpenAI

OpenAI ist mit dem Vorstoß nicht allein. Anthropic hat seine Claude-Integration für PowerPoint bereits im September 2025 gestartet, Microsoft bietet mit Copilot eine eigene, tief in Microsoft 365 verankerte Lösung, und Google baut Gemini direkt in Slides. Für Unternehmen heißt das: Es gibt keinen Lock-in-Zwang auf ein Werkzeug. Sinnvoll ist, die Wahl an der vorhandenen Office-Welt auszurichten:

  • Schon stark in Microsoft 365: Copilot ist die naheliegende Wahl, weil Rechte und Datenflüsse über die bestehende Microsoft-Verwaltung laufen.
  • ChatGPT ohnehin im Einsatz: Das neue Add-in bringt die gewohnte Oberfläche in PowerPoint, ohne neue Lizenz.
  • Längere Dokumente und Verträge: Claude gilt vielen als stärker bei umfangreichen Textgrundlagen.

Was das für Unternehmen bedeutet

Die ehrliche Einordnung: Das ist kein Hype, sondern ein echter Zeitgewinn an einer Stelle, an der in fast jedem Betrieb Stunden verschwinden. Ein Vertriebsmitarbeiter lädt ein bestehendes Quartals-Deck hoch, ergänzt einen Prompt zur neuen Zielgruppe und bekommt eine angepasste Variante. Eine Tanzschule baut aus einem Kursplan eine Elternpräsentation, ein Pflegedienst aus Falldaten eine Schulungsunterlage. Der Praxis-Tipp lautet trotzdem: nicht spontan ausrollen. Sinnvoll ist ein kontrollierter Testlauf von zwei bis drei Wochen auf Geräten ohne echte Kundendaten, mit zwei oder drei festen Anwendungsfällen, und einer Zeitmessung gegen die bisherige Arbeitsweise. So sieht man schwarz auf weiß, ob die Ersparnis real ist.

Der eigentliche Knackpunkt ist nicht das Werkzeug, sondern die Anbindung. Sobald Gmail-, Outlook- oder SharePoint-Connectoren aktiv werden und KI auf reale Kundendaten zugreift, wird aus einer netten Bürohilfe ein datenschutzrelevanter Prozess. Welche Daten dürfen rein, welches Konto ist freigegeben, wer haftet bei einem Leck: Diese Fragen beantwortet kein Tool von der Stange. Wer KI nicht als Spielerei, sondern als festen Teil der Abläufe nutzen will, braucht eine saubere, DSGVO-konforme Integration in die eigenen Prozesse statt eines schnell installierten Plugins. Klein anfangen, sauber absichern, dann skalieren ist hier der verlässlichere Weg als ein Pilotprojekt, das nie über den Testordner hinauskommt.

Quellen

Weiterführend: KI-Automation für den Mittelstand — wie 8thsense Geschäftsprozesse analysiert und automatisiert.

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