KI-Videos: 81 Prozent zweifeln öfter. Was das fürs Marketing heißt
27. Oktober 2026
KI-generiert, redaktionell von 8thsense ausgewählt, geprüft und freigegeben. EU AI Act, Art. 50
79 Prozent der Menschen in Deutschland sind nach eigenen Angaben schon KI-Videos begegnet, und 68 Prozent davon haben mindestens eines für echt gehalten. Das zeigt die Studie Video Trends 2026 der Landesmedienanstalten, die vergangene Woche bei den Medientagen München vorgestellt wurde. Die eigentliche Botschaft steckt aber in einer anderen Zahl: 81 Prozent zweifeln inzwischen häufiger an der Echtheit von Videos insgesamt. Für Unternehmen, die mit Videos auf Instagram, TikTok oder der eigenen Website werben, ist das ein Problem, auch wenn sie selbst gar keine KI einsetzen.
Was die Studie gemessen hat
Für den quantitativen Teil hat das Institut mindline media zwischen dem 22. Mai und dem 10. Juni 2026 insgesamt 3.174 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren mit Internetzugang online befragt, repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung und Region. Ergänzt wurde das durch Fokusgruppen mit 44 Teilnehmenden im August (Quelle: die-medienanstalten.de). Die Medienanstalten erheben seit 2005 jährlich Daten zur Bewegtbildnutzung. Hochgerechnet sind laut Bericht des Evangelischen Pressedienstes rund 56,4 Millionen Menschen bereits auf KI-Videos gestoßen (Quelle: sonntagsblatt.de). Bemerkenswert: 52 Prozent halten es für leicht, KI-Videos zu erkennen. Doch selbst von denen, die sich sicher fühlen, wurden 61 Prozent schon einmal getäuscht.
Werbung ist der häufigste Ort für KI-Videos
Für Marketingverantwortliche ist ein Detail aus dem Ergebnisbericht besonders aufschlussreich. Wer in sozialen Medien schon KI-Videos gesehen hat, nennt als Umfeld am häufigsten Werbung und Marketing (54 Prozent), noch vor Unterhaltung (48 Prozent) und Nachrichten (36 Prozent). Die Menschen bringen KI-Videos also vor allem mit Werbung in Verbindung. Gleichzeitig ist es 57 Prozent wichtig zu wissen, ob in Werbevideos KI im Spiel war. Das ist weniger als bei Nachrichten (88 Prozent), aber eine klare Mehrheit. Die Folgen des Misstrauens fasst die Studie so zusammen (Quelle: heise.de):
81 Prozent zweifeln häufiger an der Echtheit von Videos.
77 Prozent sorgen sich, gezielt getäuscht zu werden.
76 Prozent prüfen Video-Inhalte seither kritischer.
72 Prozent vertrauen Videos generell weniger als früher.
68 Prozent fühlen sich von KI-Videos zunehmend genervt.
Akzeptiert wird KI als Werkzeug, nicht als Ersatz
Die Studie zeigt aber auch, wo die Grenze verläuft. 73 Prozent finden KI für technische Verbesserungen von Bild und Ton akzeptabel, 63 Prozent für kreative Effekte und Gestaltung. Sobald KI etwas Echtes ersetzt, kippt die Stimmung: KI-Sprecher und Avatare akzeptieren nur noch 35 Prozent, künstliche oder veränderte Stimmen 25 Prozent, vollständig KI-generierte Videos 22 Prozent und Deepfakes realer Personen 12 Prozent (Quelle: die-medienanstalten.de). Für die Praxis heißt das: Ein mit KI entrauschter Ton oder ein automatisch geschnittenes Reel wird kaum jemanden stören. Ein KI-Avatar, der als vermeintliche Mitarbeiterin ein Angebot erklärt, dagegen schon. Entsprechend deutlich sind die Erwartungen: 91 Prozent wollen, dass KI immer klar gekennzeichnet wird, 89 Prozent wünschen sich, dass der KI-Anteil transparent gemacht wird.
Was rechtlich schon gilt
Ein Teil dieser Forderung ist bereits Gesetz. Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der europäischen KI-Verordnung. Wer als Unternehmen ein KI-System einsetzt, um Deepfakes zu erzeugen, also Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die existierenden Personen, Orten oder Ereignissen ähneln und fälschlich echt wirken könnten, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder verändert wurde. Der Hinweis muss klar erkennbar sein und spätestens beim ersten Kontakt erfolgen. Für erkennbar künstlerische, satirische oder fiktionale Werke gilt eine abgeschwächte Pflicht (Quelle: artificialintelligenceact.eu). Nicht jedes KI-Video fällt darunter. Ein Werbespot mit einem synthetischen Sprecher, der wie ein echter Mensch wirkt, liegt aber nah an der Grenze. Thorsten Schmiege, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, mahnt, die Regeln konsequent, aber mit Augenmaß umzusetzen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Studie liefert ein klares Argument für Offenheit: Wer KI im Video-Marketing nutzt und das sagt, verliert wenig. Wer es verschweigt und dabei erwischt wird, verliert Vertrauen, das in einer Region oder Branche schwer zurückzugewinnen ist. Eine Pflegevermittlung, die mit einer KI-generierten Seniorin wirbt, oder eine Tanzschule, die einen KI-Avatar statt der echten Trainerin zeigt, spielt genau mit dem Misstrauen, das die Befragten beschreiben. Dazu kommt ein Nebeneffekt: Weil Zweifel an Videos allgemein wachsen, gewinnen erkennbar echte Aufnahmen von echten Menschen aus dem eigenen Betrieb an Wert.
Konkret lässt sich das ohne großes Budget umsetzen. Legen Sie eine kurze interne Regel fest, die eine Person im Team verantwortet, meist die Marketing- oder Social-Media-Zuständige: KI für Schnitt, Untertitel, Tonverbesserung und Übersetzung ist in Ordnung. Synthetische Stimmen, Avatare und vollständig generierte Szenen werden im Video und in der Caption sichtbar gekennzeichnet, etwa mit „Erstellt mit KI”. Echte Personen werden nie ohne Zustimmung nachgebildet. Wer KI-Werkzeuge ohnehin in seine Content-Abläufe einbaut, kann die Kennzeichnung gleich als festen Schritt in der Workflow-Automation verankern, statt sie jedes Mal von Hand nachzuziehen. Das kostet im Kern eine Stunde Abstimmung und schützt das wichtigste Kapital im lokalen Geschäft: die Glaubwürdigkeit.