Preisverfall bei KI-Modellen: Offene Modelle aus China holen auf
14. Oktober 2026
KI-generiert, redaktionell von 8thsense ausgewählt, geprüft und freigegeben. EU AI Act, Art. 50
Günstige KI-Modelle aus China und offene Modelle mit frei verfügbaren Gewichten erobern einen immer größeren Teil der tatsächlichen KI-Nutzung. Laut einer Analyse der Investmentbank Jefferies, über die The Register berichtet, verarbeiteten chinesische Modelle auf der Plattform OpenRouter in der Woche bis zum 27. September 2026 rund 76 Billionen Token, Ende April waren es noch gut 4 Billionen. Gleichzeitig fallen die Preise pro Token deutlich. Für Geschäftsführer ist das eine gute und eine anspruchsvolle Nachricht zugleich: KI wird billiger, die Wahl des richtigen Modells aber komplizierter.
Was die Zahlen aussagen und was nicht
OpenRouter ist ein Vermittlungsdienst, über den Entwickler per einheitlicher Schnittstelle Hunderte Sprachmodelle verschiedener Anbieter ansprechen. Die Plattform veröffentlicht öffentlich, welche Modelle wie viele Token verarbeiten (Quelle: openrouter.ai). Jefferies zufolge kamen chinesische Modelle in der genannten Septemberwoche auf 76,12 Billionen Token, die vier größten US-Anbieter zusammen auf 14,2 Billionen (Quelle: theregister.com). Die chinesische Wirtschaftszeitung Yicai nennt für die Woche vom 7. bis 13. September etwas andere Werte: knapp 61,2 Billionen Token für chinesische und 21,8 Billionen für US-Modelle, bei 127 Billionen Token insgesamt (Quelle: yicaiglobal.com). Die Abweichungen erklären sich vermutlich durch unterschiedliche Zeiträume und Abgrenzungen. Die Richtung ist in beiden Quellen dieselbe. Wichtig ist aber: OpenRouter bildet nur einen Ausschnitt des Marktes ab, vor allem Entwickler und App-Anbieter. Wer direkt bei OpenAI, Anthropic oder Microsoft bucht, taucht dort nicht auf.
Warum die Preise so stark fallen
Der Treiber ist schlicht der Preis. Yicai nennt als Beispiel DeepSeeks Modell V4.1-Flash: Zwischengespeicherte Eingaben (sogenannte Cache-Reads) kosten dort laut Marktpreisen rund 0,6 US-Cent pro Million Token, etwa 80 Prozent weniger als bei vergleichbaren Modellen. Rund 90 Prozent der Nutzung dieses Modells entfallen auf solche Cache-Reads. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Start am 10. September verarbeitete es bereits etwa eine Billion Token. Jefferies spricht vom „anhaltenden Zusammenbruch der Tokenpreise” und bezweifelt, dass die großen Sprachmodelle unter diesen Bedingungen dauerhaft profitabel werden. Die Analysten erwarten deshalb irgendwann einen „großen Reset” der KI-Investitionsgeschichte. Das ist eine Börseneinschätzung, keine Gewissheit. Für Anwender zählt vor allem der Effekt: Rechenleistung für Standardaufgaben wird zur günstigen Massenware.
Spitzenklasse bleibt teurer, aber der Abstand schrumpft
Eine wichtige Einschränkung: Bei den Fähigkeiten liegen die US-Modelle weiterhin vorn. Die Benchmark-Übersicht auf OpenRouter, die auf dem Artificial Analysis Intelligence Index basiert, führt aktuell Modelle von Anthropic und OpenAI an der Spitze, mit Qwen3.8 Max von Alibaba als bestem chinesischen Modell punktgleich mit dem Drittplatzierten. Auch Yicai räumt ein, dass chinesische Modelle bei den Fähigkeiten noch zurückliegen. Ein dort zitierter Entwickler sagt aber, sie könnten „bereits die meisten Aufgaben der Anwendungsebene” erledigen. Genau darin liegt der Kern: Für viele Alltagsaufgaben braucht niemand das stärkste Modell der Welt.
Gut geeignet für günstige Modelle: E-Mails vorsortieren, Texte zusammenfassen, Daten aus Formularen extrahieren, Produkttexte vorformulieren.
Eher Spitzenmodelle: komplexe Analysen, mehrstufige KI-Agenten, heikle Kundenkommunikation, juristische oder medizinische Texte.
Entscheidend in beiden Fällen: wo die Daten verarbeitet werden und wer Zugriff darauf hat.
Der Haken: Datenschutz und Anbieterstandort
Ein günstiger Tokenpreis sagt nichts darüber, wo Ihre Daten landen. Wer ein chinesisches Modell über die Programmierschnittstelle des Herstellers nutzt, schickt Eingaben in der Regel auf Server außerhalb der EU. Für Kundendaten, Patientendaten oder Personalunterlagen ist das unter der DSGVO kaum vertretbar. Der Vorteil vieler dieser Modelle: Sie sind offen, ihre Gewichte lassen sich also herunterladen. Damit können sie auch bei europäischen Hostern oder auf eigener Hardware betrieben werden, ohne dass Daten an den Entwickler zurückfließen. Das verschiebt die Frage von „welches Land” zu „welcher Betreiber”. Prüfen Sie deshalb immer, wer ein Modell tatsächlich ausführt, nicht nur, wer es entwickelt hat. Vermittlungsdienste wie OpenRouter leiten Anfragen zudem an wechselnde Anbieter weiter, was die Nachvollziehbarkeit zusätzlich erschwert.
Was das für Unternehmen bedeutet
Der Preisverfall ist eine Chance, vor allem für Unternehmen, die KI bisher wegen laufender Kosten gescheut haben. Eine Pflegevermittlung, die täglich Hunderte Anfragen vorsortiert, oder ein Handwerksbetrieb, der Angebote aus E-Mails vorbereitet, kann solche Massenaufgaben heute mit überschaubaren laufenden Kosten automatisieren. Der sinnvolle Weg: Aufgaben nach Sensibilität und Schwierigkeit sortieren. Unkritische Texte ohne Personenbezug können über günstige Modelle laufen, personenbezogene Daten nur über Modelle, die in der EU oder im eigenen Haus betrieben werden. Für anspruchsvolle Aufgaben bleibt ein Spitzenmodell mit sauberem Auftragsverarbeitungsvertrag die bessere Wahl.
Praktisch heißt das: Bauen Sie Ihre Prozessautomatisierung so, dass das Sprachmodell austauschbar bleibt. Wer seine Workflow-Automation fest an einen einzigen Anbieter koppelt, verpasst künftige Preissenkungen oder muss bei jedem Wechsel neu bauen. Starten Sie klein mit einem klar abgegrenzten Prozess, vergleichen Sie zwei oder drei Modelle mit echten, anonymisierten Beispieldaten und entscheiden Sie dann nach Qualität, Kosten und Datenschutz. Den Börsenstreit über einen möglichen „Reset” der KI-Branche können mittelständische Betriebe gelassen verfolgen. Relevanter ist, dass die Werkzeuge günstiger werden, die Verantwortung für die Daten aber bleibt.